Verbesserung der Behandlungsqualität bei schwer psychisch kranken Menschen zur Reduktion somatischer Komorbidität und Verhinderung erhöhter Mortalität

Gefördert vom Innovationsausschuss beim G-BA, FKZ 01NVF19019; Förderzeitraum 2020-2024

Wie lässt sich die somatische Behandlungsqualität für Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen in der ambulanten Versorgung durch eine neue Versorgungsform verbessern? – Ergebnisse einer multizentrischen Interventionsstudie

Die deutliche Exzess-Mortalität von Patient*innen mit schweren psychischen Erkrankungen (SMI) ist zum größeren Teil auf somatische Ursachen zurückzuführen. Herausforderungen liegen in der somatischen Diagnostik, der Therapiekoordination und einer reduzierten Inanspruchnahme somatischer Gesundheitsleistungen.

Fragestellung

Lässt sich die somatische Behandlungsqualität für Menschen mit SMI in der ambulanten Versorgung durch die neue Versorgungsform PSY-KOMO verbessern?

PSY-KOMO (Förderzeitraum 2020-2024) war eine multizentrische, nicht-randomisierte, prospektive Interventionsstudie mit externer gematchter Kontrollgruppe (KG): In 4 Regionen Deutschlands wurden SMI-Betroffene aus psychiatrischen Praxen und PIAs eingeschlossen und jeweils 6 Monate begleitet. PSY-KOMO setzte auf eine sektorenübergreifende Versorgung. Gesundheitsbegleiter*innen (GBs) unterstützten die Patient*innen bei der Inanspruchnahme von Versorgungs- und Präventionsleistungen im haus- und fachärztlichen Bereich. Mit vertragsärztlichen Abrechnungsdaten wurde primär die Verbesserung der Detektion von 10 somatischen Komorbiditäten untersucht, sekundär die Verbesserung ihrer leitliniengerechten Behandlung, von Prävention und Früherkennung. Es erfolgte eine begleitende Prozessevaluation.

In der Interventionsgruppe (IG) wurde eine signifikant höhere Zahl an somatischen Komorbiditäten entdeckt (bei 11% der IG und 6% der KG in 8 Quartalen; OR=2,08, p<,001). Patient*innen der IG nahmen signifikant mehr Untersuchungen für Prävention und Früherkennung in Anspruch. Eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine leitliniengerechte Versorgung aller vorliegenden somatischen Komorbiditäten über 4 Quartale zeigte sich dagegen nur in der Subgruppe der Patient*innen mit Borderlinestörung oder Schizophrenie. Die wechselseitige Kooperation der PIAs mit ambulanten Ärzt*innen und in lokalen Netzwerken blieb herausfordernd. Die individuelle Gesundheitsbegleitung durch GBs war aufwändig, aber der Interventionsbaustein, der den SMI-Patient*innen am ehesten half, Barrieren im Gesundheitswesen zu überwinden.

Es zeigt sich ein positiver Effekt von PSY-KOMO auf die somatische Versorgung der SMI-Patient*innen. Das strukturierte somatisch-diagnostische Vorgehen der Psychiater*innen sowie die von ihnen angeregte und unterstützte niederschwellige Gesundheitsbegleitung können helfen, die Exzess-Mortalität bei SMI-Patient*innen zu senken.